Lametta, Licht und Luxus

Abbildung 1:  Weihnachtsdekoration Lametta, früher ein absolutes Muss am Weihnachtsbaum
Abbildung 1: Weihnachtsdekoration Lametta, früher ein absolutes Muss am Weihnachtsbaum

„Früher war mehr Lametta“,1 nörgelt Opa Hoppenstedt in dem legendären Weihnachts-Sketch von Loriot. Gilt das immer noch? Was gehört heute zu einem guten, stimmungsvollen Weihnachtsfest? Gibt es „Innovationen“ bei einem so traditionsreichen Fest? Mit einer Patentrecherche zum Thema „Weihnachten“ in der STN Datenbank World Patent Index (DWPI) soll der Frage nachgegangen werden, wie die aktuellen Trends und Vorlieben für die Feiertagsgestaltung aussehen.

STN ist ein Informationsservice für Forschungs- und Patentinformation. Es bietet, auf einer neutralen Plattform gebündelt, den Online-Zugriff auf qualitativ hochwertige Datenbanken. Ein inhaltlicher Schwerpunkt von STN liegt bei der Patentinformation. In Kombination mit den hoch entwickelten Funktionalitäten in Retrieval, Analyse und Visualisierung, gewährleistet STN präzise Recherchen und aussagestarke Analysen der Suchergebnisse. Aus diesem Grund nutzen Informationsspezialisten in Industrieunternehmen und Patentämtern bevorzugt STN.
 
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Es werde Licht

„.und es ward Licht.“2 Die Analyse der Schutzrechte beweist: Die Bedeutung des Lichts in biblischen Zeiten hat sich im übertragenen Sinne bis heute erhalten. Licht ist auch heutzutage eindeutig das wichtigste Accessoire für das Weihnachtsfest. Die Mehrzahl der publizierten Schutzrechte im Zeitraum von 2005 bis 2016 befasst sich mit der Thematik der Beleuchtung (siehe Abb. 2), wobei unterschiedliche Aspekte im Fokus der Erfindungen stehen. So erstreckt sich die Bandbreite von der Befestigung der Leuchten bis zur Schaltanordung der elektrischen Einzelbauteile. An zweiter Stelle steht dann der Weihnachtsbaum. In diese Kategorie fallen Weihnachtsbaumständer, künstliche Weihnachtsbäume, sowie Weihnachtsbaumschmuck. Für die Auswertung wurden die IPC3-Klassifikationen der Schutzrechte als inhaltliche Einordnung analysiert. Das folgende Tortendiagramm zeigt die Verteilung der häufigsten IPCs:

Abbildung 2: prozentualer Anteil der häufigsten IPC-Klassifikationen an den gefunden Schutzrechten © FIZ Karlsruhe, November 2017
Abbildung 2: prozentualer Anteil der häufigsten IPC-Klassifikationen an den gefunden Schutzrechten © FIZ Karlsruhe, November 2017

Nun stellt sich die Frage, was eine Erfindung im Bereich Licht (Beleuchtung), Weihnachtsbaum, Verpackung oder Reklamewesen beinhaltet? Was könnten kluge Köpfe noch für das Weihnachtsfest ersinnen, das nicht schon erdacht ist? Hier einige exemplarische Erfindungen, die eventuell bald in den Wohnzimmern dieser Welt zu finden sind.


Abbildung 3: Zeichnung aus dem Gebrauchsmuster DE202016002164U
Abbildung 3: Zeichnung aus dem Gebrauchsmuster DE202016002164U

All überall auf den Tannenspitzen…………

Sah schon Knecht Ruprecht in Theodor Storms bekanntem Weihnachtsgedicht „goldene Lichtlein sitzen“4. Vielleicht hat ja dieses Bild die Außenhandelsgesellschaft Wachsmut und Krogmann mit Sitz in Hamburg zu der Erfindung einer leuchtenden Christbaumspitze inspiriert. Die nachfolgende Gebrauchsmusterzeichnung verdeutlicht, dass es sich dabei um eine klassisch-geformte Tannenbaumspitze handelt, in deren Inneren eine batteriebetriebene Leuchte installiert ist. Ein möglicherweise lästiger Kabelwirrwarr wird durch den Batteriebetrieb der strahlenden Spitze umgangen.


Abbildung 4: Patentzeichnung eines sog. Weihnachtsbaumhalters aus DE102015006183
Abbildung 4: Patentzeichnung eines sog. Weihnachtsbaumhalters aus DE102015006183

Alles im Griff

Als nächstes ergibt unsere Recherche eine Erfindung, die versucht, das Problem eines umkippenden oder schief stehenden Weihnachtsbaums ein für alle Mal in den Griff zu bekommen, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zuerst wird ein Stützstempel, ähnlich wie sie im Bergbau verwendet werden, zwischen Fußboden und Zimmerdecke festsitzend eingespannt. Von diesem Stempel geht ein waagerechter, höhenverstellbarer Arm (5) ab, an dessen Ende sich eine Klammer (6) befindet. Diese Klammer greift nun den Weihnachtsbaum am Stamm in der Wunschhöhe und hält ihn fest. Dieser hängt somit am ausgestreckten Arm, kein Kippen oder zeitraubendes Ausrichten des Baums wird die weihnachtliche Stimmung stören. Auch an die Bewässerung wurde gedacht: Am Fußende des Nadelbaums hängt ein kugelförmiges Wasserreservoir (10).


Abbildung 5: Patentzeichnung aus dem Patent DE 102015101754
Abbildung 5: Patentzeichnung aus dem Patent DE 102015101754

Fifi feiert mit

Auch wenn es so scheinen mag, als ob es kaum mehr Marktnischen rund um das Thema Weihnachten gäbe, so zeigt das nächste Beispiel, dass sich für kreative Erfinder immer noch Spielräume auftun: Auch für vierbeinige Familienmitglieder soll Weihnachten etwas Besonderes sein. So bekommt der treue Hund ebenfalls ein liebvoll eingepacktes Weihnachtsgeschenk und, das ist der Clou: Das Geschenkpapier ist (fr)essbar. Sollte also das beschenkte Haustier in seiner Triebhaftigkeit auch das Geschenkpapier fressen, so wird es zu keiner tierischen Magenverstimmung kommen. Zugegeben: das ist Luxus pur, aber man kann sich ja zu Weihnachten auch mal was gönnen, oder?!


In diesem Sinne wünscht Ihnen FIZ Karlsruhe eine schöne Weihnachtszeit. Und wer weiß: Vielleicht kommt Ihnen in einer weihnachtlichen Mußestunde ein Geistesblitz zu einem Weihnachtsproblem, das Sie schon immer gequält hat. Wenn dem so sein sollte, zögern Sie nicht, Ihre Idee zum Patent anzumelden.


Text und Recherche: Dr. Babett Bolle


Fußnoten
1 www.youtube.com/watch, zuletzt überprüft am 10.11.2017.
2 1. Buch Mose, 1.
3 International Patent Classification, nachzuschlagen unter depatisnet.dpma.de/ipc/ipc.do, zuletzt überprüft am 10.11.2017.
4 weihnachten.tagesspiegel.de/knecht-ruprecht-von-theodor-storm/ zuletzt überprüft am 18.12.2017