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50 Jahre FIZ Karlsruhe: Vom Fachinformationszentrum zur Wissensinfrastruktur für das digitale Zeitalter

  • Fachinformation für Forschung und Innovation
  • Der Aufbruch ins digitale Zeitalter
  • Von Informationsdiensten zu Forschungsinfrastrukturen
  • Open Science, Künstliche Intelligenz und digitale Souveränität

Als FIZ Karlsruhe 1977 gegründet wurde, begann nicht etwas völlig Neues. Vielmehr wurden verschiedene wissenschaftliche Informationseinrichtungen mit teils deutlich längerer Geschichte zusammengeführt. Zu ihnen gehörten unter anderem die Zentralstelle für Atomkernenergie-Dokumentation in Karlsruhe, die Physikalischen Berichte in Braunschweig sowie das Zentralblatt für Mathematik in Berlin. Damit bündelte FIZ Karlsruhe bereits vorhandene Expertise in der Erschließung, Dokumentation und Verbreitung wissenschaftlichen Wissens.

Die Gründung fiel in eine Zeit, in der Wissenschaft, Forschung und Industrie mit einer stetig wachsenden Menge an Informationen konfrontiert waren. Die zentrale Herausforderung bestand darin, relevantes Wissen auffindbar und nutzbar zu machen. FIZ Karlsruhe übernahm dabei einen öffentlichen Auftrag, der bis heute aktuell geblieben ist: Wissenschaft und Wirtschaft mit qualitätsgesicherter Information zu versorgen und den Wissenstransfer zu unterstützen.

Fachinformation für Forschung und Innovation

In den ersten Jahren lag der Schwerpunkt auf der Bereitstellung und Erschließung wissenschaftlich-technischer Fachinformation. Als zentrale Einrichtung der Bundesrepublik Deutschland für naturwissenschaftliche und technische Fachinformation ermöglichte FIZ Karlsruhe Forschenden und Unternehmen den Zugang zu internationalen Informationsressourcen. Mit STN International entstand eines der weltweit bedeutenden Systeme für wissenschaftliche und Patentinformation und eröffnete neue Möglichkeiten für Recherche, Innovation und Technologietransfer.

Ein herausragendes Beispiel für die Rolle von FIZ Karlsruhe als Informationsanbieter ist die Kristallstrukturdatenbank ICSD. Seit vier Jahrzehnten unterstützt sie Forschende weltweit bei der Untersuchung anorganischer Kristallstrukturen und hat sich zu einem international anerkannten Standardwerkzeug in der Materialwissenschaft entwickelt. Das 40-jährige Jubiläum der ICSD im Jahr 2024 unterstreicht die langfristige Bedeutung solcher wissenschaftlicher Informationsangebote.

Der Aufbruch ins digitale Zeitalter

Mit dem Aufkommen digitaler Technologien veränderten sich die Möglichkeiten der Informationsversorgung grundlegend. Aus gedruckten Informationsangeboten wurden elektronische Datenbanken, aus lokalen Informationsdiensten internationale Informationsnetzwerke. FIZ Karlsruhe gehörte zu den Einrichtungen, die diesen Wandel früh aufgriffen und aktiv mitgestalteten. Die Digitalisierung wissenschaftlicher Informationen, der Ausbau elektronischer Rechercheangebote und die internationale Vernetzung von Informationsdiensten veränderten die wissenschaftliche Arbeit nachhaltig.

Dabei beschränkte sich die Entwicklung nicht auf die Bereitstellung von Informationen. Zunehmend entstanden digitale Plattformen und Werkzeuge, die Forschende in ihrer täglichen Arbeit unterstützen und neue Formen der Zusammenarbeit ermöglichen.

Von Informationsdiensten zu Forschungsinfrastrukturen

Mit der fortschreitenden Digitalisierung der Wissenschaft wandelte sich auch das Aufgabenprofil von FIZ Karlsruhe. Aus einem klassischen Fachinformationszentrum entwickelte sich eine Einrichtung, die digitale Dienste und Infrastrukturen für Forschung und Innovation bereitstellt. Neben wissenschaftlichen Publikationen rückten zunehmend Forschungsdaten, Software und andere digitale Forschungsobjekte in den Mittelpunkt.

Mit Angeboten wie dem Forschungsdatenrepositorium RADAR unterstützt FIZ Karlsruhe Forschende dabei, ihre Daten langfristig zu archivieren, zu publizieren und nachnutzbar zu machen. Gleichzeitig entwickelte sich die Einrichtung zu einem wichtigen Partner für nationale und internationale Forschungsinfrastrukturen. Die Entwicklung und der Betrieb von zbMATH Open, heute die weltweit größte offene Informationsplattform für Mathematik, stehen beispielhaft für diesen Wandel.

Auch im Bereich des digitalen Kulturerbes leistet FIZ Karlsruhe wichtige Beiträge. Mit der Deutschen Digitalen Bibliothek und dem Archivportal-D trägt die Einrichtung dazu bei, das kulturelle und wissenschaftliche Erbe Deutschlands digital zugänglich zu machen und langfristig zu sichern. Die dabei entwickelten Technologien und Plattformen zeigen, wie Informationsinfrastrukturen weit über einzelne Fachgebiete hinauswirken können.

Ein wichtiger Entwicklungsschritt war zugleich die stärkere Ausrichtung auf eigene Forschung. Mit den gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie eingerichteten Professuren von Prof. Dr. Harald Sack im Bereich Information Service Engineering im Jahr 2016 und Prof. Dr. Franziska Boehm im Bereich Immaterialgüterrechte in verteilten Informationsinfrastrukturen im Jahr 2017 wurden neue wissenschaftliche Schwerpunkte aufgebaut. Damit stärkte FIZ Karlsruhe seine Rolle als Forschungsinstitut an der Schnittstelle von Informationswissenschaft, Künstlicher Intelligenz, Wissensrepräsentation, Informationsrecht und digitaler Transformation.

Die zunehmende Bedeutung von Kooperationen zeigt sich auch im Leibniz-WissenschaftsCampus Digital Transformation of Research (DiTraRe), den FIZ Karlsruhe gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie betreibt. Hier werden Fragen untersucht, wie die Digitalisierung wissenschaftliche Arbeitsweisen verändert und welche neuen Anforderungen daraus für Forschung und Informationsinfrastrukturen entstehen.

Ein weiterer Meilenstein folgte 2019: Gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie übernahm FIZ Karlsruhe das Gründungsdirektorat der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Damit spielte die Einrichtung eine zentrale Rolle beim Aufbau einer deutschlandweiten Infrastruktur für den nachhaltigen Umgang mit Forschungsdaten. Die NFDI verfolgt das Ziel, Daten aus Wissenschaft und Forschung systematisch verfügbar, vernetzbar und nachnutzbar zu machen und schafft damit eine wesentliche Grundlage für datengetriebene Forschung im digitalen Zeitalter.

Open Science, Künstliche Intelligenz und digitale Souveränität

Heute prägen Themen wie Open Science, Forschungsdatenmanagement, Künstliche Intelligenz und digitale Souveränität die wissenschaftliche Landschaft. FIZ Karlsruhe gestaltet diese Entwicklungen aktiv mit und verbindet technologische Innovation mit wissenschaftlicher Expertise und einem langfristigen Infrastrukturauftrag.

Besonders sichtbar wird dies im Engagement innerhalb der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur. Im Oktober 2020 starte die ersten Förderrunde der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) beschloss damals die Förderung von neun Konsortien, FIZ Karlsruhe war an den zwei Konsortien NFDI4Chem und NFDI4Culture beteiligt. Beide Konsortien wurden inzwischen erfolgreich verlängert und FIZ Karlsruhe bringt seine Expertise weiterhin in deren Arbeit ein. Nach Abschluss aller drei Förderrunden ist FIZ Karlsruhe in neun von 27 durch die GWK bewilligten Konsortien. Damit trägt die Einrichtung dazu bei, nachhaltige Strukturen für den Umgang mit Forschungsdaten in unterschiedlichen Fachcommunities zu schaffen.

Die Forschungsaktivitäten wurden in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Themen wie Wissensgraphen, semantische Technologien, hybride KI-Systeme, Forschungsdatenmanagement, Urheberrecht, Datenschutz und digitale Souveränität prägen heute das wissenschaftliche Profil der Einrichtung. Die Verbindung von Infrastrukturentwicklung und eigener Forschung ist dabei zu einem wesentlichen Merkmal von FIZ Karlsruhe geworden.

Die erfolgreiche Evaluierung im Jahr 2024 bestätigt die Leistungsfähigkeit und Relevanz dieser Arbeit. Sie zeigt zugleich, dass sich FIZ Karlsruhe auch nach fünf Jahrzehnten in einem kontinuierlichen Wandel befindet. Die Geschichte der Einrichtung ist nicht nur von Beständigkeit geprägt, sondern vor allem von der Fähigkeit, auf neue wissenschaftliche, technologische und gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren und diese mitzugestalten.

Das 50-jährige Jubiläum bietet daher Anlass, auf die Entwicklung von der Fachinformation zur digitalen Wissensinfrastruktur zurückzublicken. Zugleich lädt es dazu ein, über die Zukunft von Wissen, Forschung und Informationsversorgung nachzudenken. Gemeinsam mit Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Informationspraxis möchten wir diesen besonderen Meilenstein feiern und den Blick auf die kommenden Jahrzehnte richten.

50 Jahre FIZ Karlsruhe Programm Ort und Anreise Hotelinformation

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Contact

Ivonne Braetschkus

Büro der Geschäftsführung
Tel.
+49 7247 808 102
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gf [at] fiz-karlsruhe.de
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