Professur für Immaterialgüterrechte in verteilten Informationsinfrastrukturen

Wem gehören Forschungsdaten, die in einem Langzeit-Repository abgelegt wurden? Wer haftet bei Datenverlust und wer bestimmt, wann Daten aus einem Repository gelöscht werden können? Mit diesen und anderen Fragen rund um das Großthema Informationsrecht beschäftigt sich die im November 2015 gemeinsam mit dem KIT neu geschaffene Professur für Immaterialgüterrechte in verteilten Informationsinfrastrukturen – kurz IGR.

 

Zusätzlich begleitet die Professur auch aktuelle Reformbestrebungen auf EU-Ebene im Urheber-, IT-Sicherheits- und Datenschutzrecht. Neben allgemeinen Themen wie der Wahrung von (Grund-)Rechten bei der Ausgestaltung europäischer und internationaler Regeln in den genannten Rechtsbereichen, geht es um spezielle Fragestellungen, wie z. B. die rechtskonforme zukünftige Organisation des Datenaustausches mit Drittstaaten oder den datenschutz- und urheberrechtliehen Umgang mit Forschungsdaten. Die hier erzielten Forschungsergebnisse sollen direkt in die Weiterentwicklung der Informations-Services von FIZ Karlsruhe einfließen.


Die Schwerpunkte von IGR: Urheberrecht, Datenschutzrecht und IT-Recht

1. Urheberrechte an immateriellen und virtuellen Gütern 

 

Der Bereich lmmaterialgüterrechte bei FIZ Karlsruhe versteht diesen Begriff weit und setzt sich mit allen Fragestellungen auseinander, die die Rechte an unkörperlichen Gegenstanden / Gütern betreffen. Dazu zählen neben den o. g. Rechten auch die Rechte an Daten (z. B. Forschungsdaten) und Datenbanken, der Schutz von Persönlichkeitsrechten und  die Gewährleistung dieser Rechte durch IT-Sicherheitsrechtliche Lösungen in Infrastrukturen und Informationssystemen.

 

Ein konkretes Beispiel ist eine Zusatzfunktion im Projekt RADAR, die als Handlungsempfehlung für Forscher ausgestaltet wird und es erlaubt, einen kurzen Oberblick über Lizenzfragen und Datenschutzprobleme zu bekommen. Damit wird verhindert, dass der Forscher oder auch der Datenbankbetreiber mit schwierigen rechtlichen Fragen der urheberrechtlichen Weiterverwertung oder des Datenschutzes konfrontiert wird. 


2. Datenschutzrecht

 

Der Schutz sensibler Daten ist eine zentrale Herausforderung an Informations-Infrastrukturen und Datenmanagementsysteme, etwa bei der Verarbeitung, Aufbereitung, Langzeitspeicherung und Nutzung von Daten, insbesondere in verteilten Informationssystemen – wie z. B. bei global betriebenen Datenbanken.

 

Ein konkretes Beispiel bietet das im März 2016 gestartete EU-Projekt (STARR). Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines "decision support and self-management system for stroke survivors" zur Verbesserung der häuslichen Nachsorge von Schlaganfallpatienten. Dabei fallen zahlreiche höchst sensible personenbezogene Daten an, deren Umgang rechtlich geregelt werden muss. FIZ Karlsruhe übernimmt in diesem Projekt die rechtliche Analyse und wirkt an der Gestaltung der zu entwickelnden Technik von Beginn an mit, so dass  Privatsphäre-relevante Risiken rechtzeitig erkannt werden und so schon im Design der Technik berücksichtigt werden können.

 

Aus den Ergebnissen des Projekts lassen sich wichtige Erkenntnisse für andere Themenzusammenhänge ableiten, etwa für den Umgang mit sensiblen Forschungsdaten.


3. IT-Recht

 

IT-Recht und hier insbesondere der Themenbereich IT-Sicherheit, ist einer der großen Herausforderungen der nächsten Jahre für Informationsinfrastrukturen.  Die Professur betreut in diesem Themenfeld zwei Forschungsprojekte, die an der Universität Münster angesiedelt sind.

 

Dabei handelt es sich um das BMBF geförderte Projekt ITS.APT (IT-Security Awareness Penetration Testing) und ein von der RWTÜV Stiftung gefördertes Promotionsprojekt zu den Haftungsrisiken bei der Verletzung der IT-Sicherheit. Weitere Forschungsprojekte in diesem Themenfeld sind geplant.


Prof. Dr. Franziska Boehm

Prof. Dr. Franziska Boehm
Bereichsleiterin Immaterialgüterrechte

 

 

Tel.: +49 7247 808 144 (Sekretariat)
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